Hygiene

Bis zu 40.000 Tote jährlich in Deutschland

Krankenhauskeime und warum nur konsequente Hygiene hilft

Man geht statistisch von 15.000-40.000 Toten jedes Jahr in Deutschland aus, die in Krankenhäusern durch Keime sterben. Das übertrifft die jährlichen Verkehrstoten in Deutschland (die auch nicht ohne sind) deutlich. Dahinter steht eine noch beeindruckendere Zahl von 500.000 Infektionen mit Krankenhauskeimen, wiederum pro Jahr, nur in Deutschland.

Man hört es immer wieder: Jemand kommt mit was auch immer ins Krankenhaus, z.B. einem komplizierten Bruch, und fängt sich dann einen sogenannten Krankenhauskeim ein. Krankenhauskeime sind nicht zu Unrecht der Alptraum vieler Menschen und auch ich würde aus diesem Grunde ungern länger als unbedingt notwendig in einem Krankenhaus verbringen. Aber wie gefährlich sind Krankenhauskeime tatsächlich bzw. wie gefährlich ist eine Infektion mit Krankenhauskeimen?

Zahlen

Darüber gibt es Zahlen: So gibt das European Centre for Disease Prevention (ECDC) an, dass sich in Deutschland etwa 500.000 Menschen (an anderer Stelle ist auch von 600.000 die Rede) pro Jahr mit Krankenhauskeimen anstecken und 15.000 Menschen an den Folgen sterben. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) geht sogar von gewaltigen 900.000 Infektionen und bis zu 40.000 Toten durch Krankenhauskeime pro Jahr in Deutschland aus. Stellt man dies in Verhältnis zu 19,5 Millionen Patienten die (2016, Statistik) stationär im Krankenhaus behandelt wurden, würden sich daraus ein Risiko von 2-5% ergeben bei einem Krankenhausaufenthalt an Keimen zu erkranken.

Die häufigsten Folgen einer solchen Infektion sind Wundinfektionen, eine Sepsis (Blutvergiftung) und Atemwegserkrankungen. Ist das Immunsystem geschwächt, was bei Kranken natürlich nicht selten der Fall ist, so steigt das Risiko weiter an.


Sind Krankenhauskeime immer multiresistente Keime?

Krankenhauskeime sind nicht immer multiresistente Keime. Tatsächlich sind „nur“ etwa 10 Prozent aller Krankenhauskeime multiresistent. Zu den multiresistenten Krankenhauskeimen zählt z.B. der Methicillin-Resistente Staphylococcus Aureus, kurz MRSA. Bei einer Infektion mit MRSA-Keimen gibt es kaum noch Therapiemöglichkeiten, da MRSA sich so verändert bzw. sich angepasst hat, dass kaum ein Antibiotikum mehr anschlägt. Bei MRSA Keimen gelten daher besonders strenge Hygiene-Vorschriften.


Ursachen für Krankenhauskeime

Zunächst ist der Infektionsweg entscheidend. Woher kommt der Keim und wie kommt er in den Körper? Dabei wird in endogen und exogen unterteilt. Bei einer endogenen Infektion infiziert man sich im Prinzip selbst, d.h. körpereigene Bakterien gelangen z.B. durch offene Wunden in Körperregionen, in denen sie nichts verloren haben. Ein Beispiel wären Darm- oder Hautkeime, die für einen gesunden Körper normal oder sogar notwendig sind, die dann durch z.B. offene Wunden in die Blutbahn geraten und dort zu schweren Infektionen führen. Hierbei ist also nicht der ursprüngliche Keim „das böse“, sondern die Verletzung des Patienten (offene Wunde, z.B. auch durch eine notwendige OP) und die Imunschwäche des Patienten.

Exogene Infektionen sind dementgegen Ansteckungen durch körperfremde Keime oder Bakterien, die in der Regel von Mensch zu Mensch übertragen werden, die aber auch an Gegenständen in Krankenhäusern anhaften können. Überträger können also andere Patienten, Ärzte, Pflegepersonal oder Besucher sein. Die Übertragung kann zum Beispiel über kontaminierte Gegenstände wie Türklinken, nicht oder unzureichend gewaschene Hände oder unzureichend gewaschene Lebensmittel erfolgen. Hier bieten insbesondere große Krankenhäuser natürlich „ideale“ Bedingungen: Viele Kranke, viele Keime, viele Besucher und gerade auch durch das Personal viele Personen, die bei mangelnder Hygiene potentiell diese Keime von Patient zu Patient übertragen können. Natürlich können auch Besucher diese Keime in die Kliniken bringen, die bei gesunden außerhalb des Krankenhauses zu keinerlei Problemen führen, bei in der Abwehr geschwächten Patienten, noch dazu solche mit Wunden, aber erheblichen Schaden verursachen können. Umgekehrt können Keime, insbesondere multi-resistente Keime, durch Besucher auch aus dem Krankenhaus getragen werden und sich so weiter verbreiten.

  • Exogene Infektion = körpereigene Bakterien (wie Darmbakterien) gelangen z.B. über Wunden in die Blutbahn
  • Endogene Infektion = Übertragung von Mensch zu Mensch oder auch über Gegenstände

Was ist das eigentliche Problem?

Zum einen mangelnde Hygiene. Dabei ist die Unterstellung Krankenhäuser seien grundsätzlich hygienische Orte leider nicht richtig – sonst gäbe es das Problem schließlich nicht. Und mit nur Putzen kommt man resistenten oder gar multi-resistenten Keimen eben nicht bei. Krankenhäuser brauchen ein umfassendes und konsequenten Hygienekonzept. Konsequent meint: Es darf eben nicht nur ein Konzept sein, es muss auch strikt eingehalten werden – im Grunde wie eine Quarantäne Vorschrift, zumindest in den sensiblen Bereichen bzw. im Umkreis von sensiblen und sowieso bei bereits infizierten Patienten.

Sind Keime aber schon mal da, also im Körper des Patienten, können sie im Grunde nur mit Antibiotika bekämpft werden. Und dies ist leider ein Teufelskreis: Mehr Antibiotika gibt Keimen die Chance sozusagen an dieser Herausforderung zu „wachsen“ bzw. auf längere Sicht resistente Varianten auszubilden bzw. genau genommen für diese Platz zu schaffen. Zuletzt dominieren dann, im Grunde einem evolutionären Anpassungsprozess gleich, die robustesten: Multi resistente Keime. Da hilft dann auch das berüchtigte „Breitspektrum-Antibiotikum“ nicht mehr viel.

  • Ursache 1: Mangelnde Hygiene
  • Ursache 2: Teufelskreis: Antibiotika bekämpft Keime – hat aber auch zu resistenten Keimen geführt, wodurch wieder „breiter“ wirkende Antibiotika benötigt werden

Wie können Neuinfektionen gesenkt werden?

Die Hygienevorschriften in Krankenhäusern müssen konsequent eingehalten werden. Das setzt zunächst eine deutliche Priorisierung des Themas durch Politik und Krankenhausbetreiber und – Leiter voraus. Hier von „Sensibilisierung“ für das Thema zu sprechen, angesichts von mindestens 15.000 jährlichen Toten und enormen Risiken für praktisch jeden Krankenhausbesucher ist eher noch milde ausgedrückt. Das Thema ist seit vielen Jahren hochaktuell und eigentlich ein Grund zu Alarmismus. Aufklärung beim Pflegepersonal, allen Dienstleistern, aber auch bei Patienten und Besuchern gehört zwingend dazu.

Natürlich müssen auch die räumlichen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden, sprich die Anzahl der Patienten pro Zimmer gesenkt werden, damit sie sich nicht gegenseitig anstecken und die Anzahl von Patienten pro Pflegekraft reduziert werden bzw. umgekehrt: Mehr Personal pro Patienten eingestellt werden.

Händewaschen – aber richtig

Man sagt, dass allein durch die Einhaltung der Hygienevorschriften und vor allem saubere Hände durch fachgerechte Handdesinfektion ein Drittel aller Infektionen vermeidbar wäre! Das ist enorm. Und hier kann sich jeder mal persönlich fragen, ob er bei dem Besuch eines Verwandten oder Freundes/Freundin, der/die einen Krankenhausaufenthalt hatte, je oder immer deutlich darauf hingewiesen wurde? Meine persönliche Erfahrung: Krankenhäuser konnte ich immer ohne Anmeldung oder Hinweise auf Hygiene betreten. Natürlich ist das bei Besuchen der Intensivstation anders, aber im normalen Krankenhausbereich findet das eher nicht statt. Handdesinfektion hängt zwar mittlerweile in den Fluren, aber eine strikte Anordnung diese zu nutzen besteht nicht. In der Regel kann man auch praktisch alles an Nahrungsmitteln etc. als Besucher mitbringen.

Es scheint hier noch einen Nachholbedarf auf mehreren Ebenen zu geben. Ansonsten wären die Zahlen auch nicht so erschreckend wie sie leider noch sind.


Besonders gefährdete Personengruppen

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt besonders gefährdete Gruppen wie Dialysepatienten oder Patienten mit insbesondere chronischen Wunden bei der Aufnahme auf MRSA zu testen, um auszuschließen, dass sie Keime bereits mit sich tragen. Weiterhin sollten Antibiotika weniger, aber dafür zielgerichteter eingesetzt werden. Zielgerichtet heißt: Erst den Keim analysieren und dann ein möglichst passendes Antibiotikum einsetzen.

  • Grundsätzlich geschwächte Personen
  • Dialysepatienten
  • Patienten mit offenen Wunden oder chronisch offenen Wunden

Was können sie beitragen, sollten sie mal wieder ein Krankenhaus als Besucher betreten?

Desinfizieren Sie Ihre Hände direkt beim Betreten des Krankenhauses, um keine gefährlichen Keime von außen mitzubringen. Mindestens über einen Desinfektionsspender. Oder waschen sie sich gründlich die Hände. Nutzen sie den Spender auch nochmal direkt vor betreten des Zimmers, zumal wenn sie dazwischen eine Strecke zurück gelegt haben oder wenn sie sich länger im Krankenhaus aufhalten, von der Toilette oder z.B. dem Krankenhaus-Cafe kommen.

Desinfizieren sie ihre Hände auch nach Verlassen des Krankenhauses. Bringen Sie nicht zuviel Zeug mit, vor allem keine Lebensmittel, die schnell Keime entwickeln können. Und stellen sie nichts auf den Fußboden des Krankenhauses (Taschen, Wasserflaschen), was später in die Hände des Patienten gelangen soll. Animieren sie auch den Patienten, den sie besuchen, sich regelmäßig die Hände zu waschen und beim Betreten seines Zimmer die Handdesinfektion zu nutzen. Sollten Sie Schnupfen oder Husten haben, dann lassen Sie sich vom Pflegepersonal einen Mundschutz geben oder verzichten Sie lieber ganz auf den Besuch. Die Kleidung, Schuhe und alle mitgeführten Taschen sollten sauber sein. Setzen Sie sich besser nicht auf das Bett, nehmen sie stattdessen lieber einen Stuhl. Bringen sie, wenn es sein muss, Schnittblumen und niemals Topfpflanzen mit – in diesen wimmelt es nur so von Keimen und Schimmelpilzen.

  • Hände vor und nach Betreten desinfizieren und im Zweifel auch zwischendurch
  • Auch andere Personen und den Patienten zur regelmäßigen Handdesinfektion animieren
  • Bei Erkältung Mundschutz oder Besuch absagen
  • Keine Topfpflanzen als Mitbringsel
  • Nichts auf den Boden stellen
  • Nicht aufs Bett setzen
  • Saubere Kleidung und Schuhe

Händewaschen aber richtig!


Videobeitrag : Unsichtbare Gefahr


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